(Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
Foto: Getty Images

Schalke braucht die Identifikationsfigur Höwedes

Juventus Turin will Schalkes Ex-Kapitän Benedikt Höwedes den Gerüchten zufolge für eine Ablöse von vier Millionen Euro im Sommer fest verpflichten. Schalke sollte diesem Angebot nicht nur nicht zustimmen, sondern "Bene" komplett zurückholen. Ein Kommentar.

Auf den ersten Blick scheint es so, als bräuchte der FC Schalke 04 Benedikt Höwedes nicht mehr. Die Mannschaft hat Erfolg, ist auf Kurs internationaler Wettbewerb und hat eine an sich funktionierende Defensive – wenige Spiele mal ausgenommen. Manch einer ist der Ansicht, der S04 müsse Höwedes aufgrund seiner Verdienste entgegen kommen und dem kolportierten Angebot zustimmen. Nach Bild-Informationen würde Schalke somit nur ein Drittel der eigentlich verhandelten Kaufoption in Höhe von 13 Millionen Euro erhalten. Dass sich die Königsblauen darauf mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einlassen werden, dürfte allen bewusst sein. Die 25 Spiele, die Höwedes bräuchte, damit die Kaufoption bei Juventus greift, wird er aufgrund zweier Verletzungen nicht mehr erreichen.  

Es heißt, Höwedes fühle sich sehr wohl in Turin. Sind wir mal ehrlich, ein Leben in Italien - es gibt sicher Schlimmeres. Er spielt beim absoluten Topteam der Serie A. Höwedes erfüllt sich aktuell seinen Wunsch, einmal eine andere Kultur und Sprache kennenzulernen. Doch es sprechen auch Dinge für eine Rückkehr nach Gelsenkirchen.

Der Schalke-Abschied war voreilig

Schalke und Höwedes, das passt wie die Faust aufs Auge. So war es immer und so kann es auch wieder werden. Der Name Höwedes steht für die Vereinstreue, die der eine oder andere Spieler momentan vermissen lässt. Einsatz, Leidenschaft und Geradlinigkeit sind Attribute, die genau auf ihn zutreffen. Sowohl Höwedes als auch Domenico Tedesco wäre es zuzutrauen – sofern es jemals eine Diskrepanz gab – bei Null anzufangen und einen gemeinsamen Nenner zu finden. Sie sollen sich bekanntlich bereits ausgesprochen haben. "Wir haben uns im Oktober SMS geschrieben, ich habe den Kontakt zu ihm gesucht. Die Vergangenheit ist abgehakt, wir blicken beide nach vorne", teilte Tedesco im November der SportBild mit.

Die "Entmachtung" mit der Wegnahme der Kapitänsbinde wird Höwedes zwar gekränkt haben, doch hätte er mit einer Rückkehr die Möglichkeit zu zeigen, dass es nicht die Binde braucht, um Verantwortung zu tragen. In Turin scheint er - nicht zuletzt aufgrund seiner Verletzungen - regelrecht abzutauchen. Das mag sicher auch genau daran liegen. Dennoch: Auf Schalke wäre Höwedes wieder mehr im Blickfeld, auch in dem des Bundestrainers.

Höwedes-Rückkehr hätte sportlichen Mehrwert 

Dass der 29-Jährige trotz einer gewissen Verletzungsanfälligkeit sportlich eine Verstärkung für den Schalker Kader wäre, steht wohl außer Frage. Die Situation in der Verteidigung wirft zudem einige Fragen auf. Da wäre zum einen die Personalie Matija Nastasic. Der Serbe besitzt angeblich eine Ausstiegsklausel, die er im Sommer ziehen könnte. Thilo Kehrer hat nur noch bis 2019 einen gültigen Vertrag und macht bislang keine Anstalten, diesen vorzeitig zu verlängern. Der Brasilianer Naldo steht zurecht auch in der kommenden Saison auf Schalke unter Vertrag, ist mit seinen 35 Jahren nun aber auch nicht mehr der jüngste Akteur im Kader.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Erfahrung, die Höwedes in die Schalker Mannschaft während eines möglichen internationalen Wettbewerbs wieder einfließen lassen könnte. Schalke hat schließlich mit ihm einige Schlachten in der Champions-League und Europa-League geschlagen. Der alles entscheidende Aspekt bleibt jedoch die Identifikation mit dem Spieler Höwedes. Sollten sowohl Leon Goretzka als auch Max Meyer den Verein verlassen, würde es in diesem Punkt ein gewaltiges Defizit geben. Des Weiteren würde er dem Verein auch nach der aktiven Karriere gut zu Gesicht stehen.

Die Anhänger würden sich jedenfalls über eine Rückkehr des Schalker Urgesteins mehr als freuen. Wäre der Fußball doch manchmal ein Wunschkonzert…