Domenico Tedesco (r.) und seine Co-Trainer.
Foto: Torsten Mannek

Schalkes Sehnsucht nach Mr. Right

Der FC Schalke 04 musste einen herben Rückschlag hinnehmen. Nach Platz zehn lechzt der Klub wieder danach, sich mit den Besten messen zu dürfen. Ein Kommentar.

Gut gelaunt und mit einem strahlenden Lächeln begrüßte Domenico Tedesco in den ersten Tagen als neuer Cheftrainer die Kiebitze und Journalisten am Trainingsgelände. Er nahm sich viel Zeit für Autogramm- und Fotowünsche der Fans, er genoss es sichtlich. Der gebürtige Italiener wird hier und da als Laptoptrainer bezeichnet, dabei ist der wesentliche Punkt nicht nur die rein fachliche Kenntnis. Der 31-Jährige schloss seine Trainerausbildung zwar als Bester ab, doch dies alleine mache keinen guten Fußballlehrer aus, wie er selbst zu Protokoll gab.

Schalke 04 hatte auch zuvor Trainer, die über eine hohe Fachkenntnis verfügten, es aber aus diversen Gründen nicht schafften, die Mannschaft und den Verein zu sportlichem Erfolg zu verhelfen. Roberto Di Matteo gab schon in seiner Antrittspressekonferenz zu verstehen, dass es "nur einen Boss in der Kabine" gibt, und das sei der Trainer. Tedesco hingegen teilte bei Schalke TV mit, dass die Kabine der Bereich der Spieler sei. Selbstverständlich wird er vor dem Spiel und während der Halbzeitpause seine Anweisungen noch mal verdeutlichen, grundlegend sei der Spielertrakt aber das Reich der Mannschaft.

Andre Breitenreiter erzeugte öffentlich eine Aufbruchsstimmung und kam sehr freundlich rüber, konnte die Fans auf seine Seite ziehen. Doch, je älter seine Saison als S04-Coach wurde, desto mehr zeigte Breitenreiter, wie überfordert er mit der Aufgabe war. Vor allem wurde von nahezu allen Medien, die dem FC Schalke nahestehen, berichtet, dass es große Reibereien und Konflikte mit den Mitarbeitern des Revierklubs gab. Schlussendlich klappte es auch mit ihm nicht.

Markus Weinzierl sollte anschließend in Zusammenarbeit mit Christian Heidel das neue Top-Duo der sportlichen Führung sein. Wie es kam, dürfte den Schalkern noch nicht aus dem Gedächtnis entfallen sein. Weinzierl gelang es nicht, eine Spiel-DNA auf den grünen Arenarasen zu transportieren, was Manager Heidel auch öffentlich deutlich kritisierte. Hinzukam, dass es auf zwischenmenschlicher Ebene nicht funktionierte. Die Aussagen von Klaas-Jan Huntelaar ("Muss mich nicht ins Team schleimen") und Yevhen Konoplyanka ("Er ist ein Feigling") sprachen Bände.

All eyez on Tedesco

Drei der letzten Trainer, deren fachliche Kenntnisse vorhanden sind, schließlich waren sie mit ehemaligen Teams erfolgreich. Di Matteo gewann die Champions League, Breitenreiter führte Paderborn in die erste Liga und Weinzierl brachte den FC Augsburg sensationell in die Europa League. Doch trotzdem scheiterten sie auf Schalke. So unterschiedlich die Trainertypen auch alle waren, so größer wirkt auf Schalke die Sehnsucht nach Mr. Right.

Die Sehnsucht nach einem Trainer, der all das Nötige vereint, um diesen Verein nachhaltig zum Erfolg zu führen. Einmal mehr verbindet man am Berger Feld diese Hoffnung nun mit Tedesco. Seine freundliche Art verführt dazu, zu glauben, "dat isser, dat is der Richtige!" In der Theorie bewies er bereits, dass er jene fachliche Kenntnis besitzt und diese ausgeprägter zu sein scheint, als bei anderen. Wie sich dies nun in der Praxis umsetzen lässt, wird sich zeigen.

Heidel lobte besonders die soziale Kompetenz Tedescos. Schalkes Kader mit vielen, zum Teil auch schwierigen Charakteren, gilt es entsprechend bei Laune zu halten. Schafft es der unverbrauchte, neue Trainer die Mannschaft auf seine Seite zu ziehen und sein Spielkonzept zu implementieren, darf Schalke berechtigt darauf hoffen, eine weitaus bessere Spielzeit abzuliefern. Hierbei genießt Tedesco einen Vorteil, den die anderen Trainer vor ihm nicht hatten. 

Selbstverständlich ist es bedauerlich, dass die Königsblauen den Sprung ins internationale Geschäft verpassten. Nun hat der neue Übungsleiter allerdings die Chance, sein Spielkonzept ernsthaft trainieren zu lassen, da die schweren englischen Wochen nun wegfallen. Schalke 04 hat nun eine Woche Zeit, sich auf den jeweiligen Gegner einzustellen und diverse Automatismen und Inhalte einzustudieren. Ohne die Strapazen des internationalen Fußballs – was gleichwohl als ein Schritt nach hinten verstanden werden kann – besteht die Möglichkeit zwei Schritte nach vorne gehen zu können.

Tedesco wirkt sympathisch, unkompliziert und geerdet. Sollte er nun noch mit seiner Mannschaft erfolgreich sein, hat Schalke 04 vielleicht Mr. Right gefunden. Aber so weit ist es noch nicht.