Wieder in den Schlagzeilen: Donis Avdijaj.
Foto: Torsten Mannek

Schalkes Donis Avdijaj ist sein eigener Endgegner

Donis Avdijaj wurde vor dem Trainingslager in Österreich aus der Profimannschaft aussortiert. Eine riskante Entscheidung bei so einem jungen Talent, die Avdijaj sich selbst zuzuschreiben hat. Auch Schalke war bei dieser Personalie nicht völlig ohne Fehler. Ein Kommentar.

Schalke 04 hat eine lange und "stolze" Geschichte voller junger und alter Charakterköpfe hinter sich. Zunächst fällt dem geneigten blau-weißen Fan Albert Streit ein, bei dem der Nachname Programm gewesen ist. Kevin-Prince Boateng wollte 2013 eine Chefrolle auf Schalke besetzen. Sein Spielstil (Ball am Mittelkreis abschirmen, dann gefoult werden und umfallen) und sein "munterer" Charakter verhinderten dies in kürzester Zeit.

In der jüngeren Vergangenheit gab es aber auch junge Spieler, die neben dem Platz auf sich aufmerksam machten. Thilo Kehrer versuchte im Juli 2015, seinen Wechsel zu Inter Mailand zu erzwingen. Der Verein schob dem damals 18-jährigen einen Riegel vor. Die Fans verziehen ihm, Kehrer spielte daraufhin zwei ordentliche Saisons. Thema durch. Ein klassisches Beispiel eines bisher lernwilligen Jungtalents.

Immer Ärger mit Donis

So hätte es im Idealfall auch bei Donis Avdijaj laufen können. Der 20-jährige Kosovo-Deutsche war seit 2014 Teil der Profi-Mannschaft - in der Knappenschmiede machte er mit sensationellen Auftritten auf sich aufmerksam. Seine beidfüßige, technisch starke Spielweise machte eine Berufung in den Profi-Kader unausweichlich. Schon vor seiner Nominierung zur ersten Mannschaft legte Schalke 04 eine Ausstiegsklausel in Höhe von 49 Millionen Euro fest. Ob das der Karriere von Avdijaj wirklich weitergeholfen hat, ist dabei mehr als fraglich.

Im Oktober 2014 machte Avdijaj - der bis dahin fast immer mit den Profis trainiert hat - erstmals negative Schlagzeilen. Bei einem illegalen Autorennen, an dem der damals 18-jährige mit frischem Führerschein teilnahm, soll er mit einer sündhaft teuren Karosse in einem Unfall verwickelt gewesen sein. Schalke arbeitete die Geschichte auf und bestätigte ein paar Tage später Ermittlungen gegen den Stürmer. Die Geschichte war beendet. Jugendlicher Leichtsinn spielte eine Rolle, und der Lauf der Zeit lässt es nun mal zu, dass schon junge Talente mit über 500 PS über die Straße heizen können. Thema abgehakt, weiter auf den Sport konzentrieren - das war die Lehre aus der Geschichte. Und das war gut so.

Schuld und Pech

Im Winter 2015 wechselte Avdijaj dann für anderthalb Jahre nach Österreich zu Sturm Graz. Er konnte sich in seiner ersten Saison noch nicht so richtig durchsetzen und brauchte dringend Spielpraxis. Das war eine weise Entscheidung. Avdijaj zeigte sportlich ansprechende Leistungen, erzielte 9 Tore in 42 Spielen und bereitete 10 vor. Er zeigte es vielen Kritikern, die ihn als überschätzt ansahen, und spielte seine Stärken aus. Etwas besseres als diese Leihe hätte ihm nicht passieren können. Dass Schalke nicht schon in der Winterpause der Saison 2015/2016 eine Rückholaktion in Erwägung zog, war die einzig richtige Entscheidung. Er brauchte das Vertrauen einer Mannschaft über eine ganze Saison. Seine sensationell ehrlichen Interviews ließen ihn in Österreich fast schon zu einem Kultspieler aufsteigen.

Mit neuem Selbstbewusstsein kehrte Avdijaj dann zurecht zu Schalke 04 zurück. Anhaltendes Verletzungspech bedeutete dann aber sofort wieder einen weiteren Rückschlag für den jungen Stürmer. Er konnte erst am 14. Spieltag sein erstes Ligaspiel bestreiten und hatte spätestens im Winter durch den Transfer von Guido Burgstaller noch mehr Konkurrenz vor sich.

Vor der Winterpause machte er leider wieder Schlagzeilen mit seinem Gefährt. Anfang Oktober 2016 soll Avdijaj eine rote Ampel missachtet, fast einen Passanten überfahren und zwei Autos geschrammt haben, ohne dies bei der Polizei zu melden. Das sind unglaublich unnötige Geschichten, die sich der junge Mann immer wieder einbrockt. Sie zeigen, dass er aus der Vergangenheit nicht gelernt hat. Und sie rücken sein unheimliches Talent in den Hintergrund. Zumindest von außen.

Avdijaj beendete die Saison mit zwei Toren aus neun Spielen und 298 Spielminuten. Im Grunde kein schlechter Wert, wenn man die Stärke Burgstallers mit einberechnet. Oftmals wurde er als frischer Wind für die ideenlose Schalker Offensive eingesetzt - und im Ansatz war Avdijaj spürbar eine Erfrischung. Die Saison 2016/2017 verlief, wenn die Verletzungssorgen mit einberechnet werden, nicht völlig verkehrt für ihn.

Öffentliche Rüge 

Domenico Tedesco stellte bei seiner Vorstellung im Sommer 2017 klar, dass er jedem Spieler eine gesunde Chance geben würde. Darunter ist natürlich auch Avdijaj. Die Vorbereitung lief dementsprechend gut - bis die nächste Negativschlagzeile folgte. Vor dem Testspiel beim SC Paderborn soll sich Avdijaj verspätet haben und kam aus disziplinarischen Gründen nicht zum Einsatz. Eine konsequente Entscheidung von Tedesco, der viel Wert auf Zuverlässigkeit setzt, und dies im Vorfeld sicher auch kommuniziert hat.

Das Thema schien dann erneut gegessen - bis sich Avdijaj bei Facebook zu Wort meldete. Leicht beleidigt entschuldigte er sich, falls er "etwas falsch bezüglich der Freiwilligkeit der Einnahme des Frühstücks verstanden" habe. Die Reaktion zeigt, dass er mit der Nicht-Berücksichtigung nicht einverstanden war. Zumindest legt dieses Posting den Verdacht nahe. Heidel rügte Avdijaj für diesen Eintrag öffentlich. Wenig später folgte die Aussortierung.

Nicht nur seine Undiszipliniertheiten scheinen dem jungen Stürmer einen Streich zu spielen. Tedesco soll zudem mit seiner Trainingsleistung nicht einverstanden gewesen sein - es liegt nahe, dass Avdijaj nach dem Paderborn-Spiel die Lust am Training verloren hatte. Niemand weiß besser als er selbst, dass er sich solche Ausfälle, besonders bei der Konkurrenzsituation, die jetzt auch Breel Embolo noch verschärfen wird, einfach nicht leisten kann. Wenn er sich hängen lässt, seinen Hitzkopf auf Nebenschauplätze und nicht auf das alltägliche Geschäft konzentriert - dann ist eine Aussortierung die logische Konsequenz.

Schalke 04 nicht ganz unschuldig

Avdijaj hatte von Anfang an eine unheimliche Last auf seinem Rücken. Die beschriebene Ablösesumme von 49 Millionen Euro ließen die Erwartungen ins Unendliche steigen. Er konnte diese nicht erfüllen. Gerade in der ersten Profisaison sollten keine Wunder verlangt werden. Mit der Veröffentlichung seiner Ablösesumme wurde ihm zumindest kein Gefallen getan.

Donis Avdijaj hätte es mit etwas mehr Disziplin und weniger Hitzköpfigkeit durchaus auf Schalke schaffen können. Aber der Hype um seine Person, sein Faible für schnelle Autos und sein unverwechselbarer Charakter ließen ihn auf Schalke scheitern. Ein ärgerliches Ende für so einen vielversprechenden Stürmertypen, der vielen Fans bewiesen hat, was in ihm steckt. Dass er im Sommer 2017 eine Aussortierung eines neuen Trainer über sich ergehen lassen muss - das liegt in seiner eigenen Verantwortung.

Es sind schon viele Spieler auf Schalke gescheitert. Avdijajs Karriere ist mit 20 Jahren aber noch nicht vorbei.