Christian Heidel (vorne) und Domenico Tedesco. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images)
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Schalker Ungewissheit

In diesen Tagen weiß Schalke nicht so recht, wie es seinen Saisonstart einordnen soll. Drei Siege, drei Niederlagen, ein Unentschieden. Königsblau scheint in einer Art Findungsphase zu sein. Wo geht die Reise hin? Die Zukunft ist mehr denn je ungewiss. Die Champions-League wird fast zur Pflicht. Ein Kommentar.

Der neutrale Zuschauer wird sich in diesen Tagen freuen. Die jahrelange Dominanz der Bayern scheint zu bröckeln. Die Liga wirkt seit Jahren wieder spannend. Die Bayern befinden sich im Umbruch und so nutzen aktuell andere Teams die seltene Chance am Meisterschaftsrennen teilzunehmen. Den Schalker Anhängern wird diese Tabellenkonstellation im oberen Tabellendrittel wohl kaum schmecken. Einer Erklärung bedarf dies sicher nicht. Natürlich sind wir erst am siebten Spieltag. Gewisse Tendenzen sind dennoch unverkennbar. Ein Favoritenkreis kristallisiert sich heraus.

Nach meinem Dafürhalten müsste Schalke mit mindestens vier Punkten mehr dastehen. Einen davon hätte Schalke aus Hannover mitnehmen müssen. Der Schiedsrichter hatte einen großen Anteil daran, dass dies nicht klappte. Gegen Leverkusen fehlte das Quäntchen Glück, das Spiel mit 1:0 über die Bühne zu bringen. Königsblau wäre so auf Rang vier und voll im Soll. Wie sagte Lothar Matthäus vor kurzem? Wäre, wäre, Fahrradkette. Das Leben ist nun mal kein Konjunktiv.

Finanzieller Schaden

Zurück zur Realität. Die vergangenen drei Jahre ohne Champions-League-Einnahmen scheinen Schalke weh zu tun – sportlich wie finanziell. Vergangene Woche verkündet Peter Peters einen Fehlbetrag von 14 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2017. "Die prognostizierten Jahreszahlen zeigen auf, dass eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb in einem sich veränderten Umfeld immer wichtiger wird, um unsere mittelfristige Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten", so der Finanzvorstand. Sportvorstand Christian Heidel äußerte sich im Interview mit der Sport Bild ähnlich bedenklich: "Natürlich ist Schalke ein großer Klub, aber wir können unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht mit denen von Bayern München, dem BVB, Leipzig und Wolfsburg vergleichen. Früher waren die Vereine viel enger zusammen, das ist vorbei. Jetzt gibt es große Unterschiede."

Die Fußballwelt entwickelt sich also nicht unbedingt zu Schalkes Gunsten. Ohne Zweifel. Die Frage ist, ob der S04 da auch mitmachen sollte. Die Unabhängigkeit des Vereins ist ein hohes Gut und macht den Klub einzigartig. Investoren und Schalke? Schwer vorstellbar. Der eingeschlagene Weg ist vernünftig, nachhaltig und fanbezogen. Darauf sollte jeder königsblaue Anhänger stolz sein.  

Die großen Argumente

Dennoch stimmen einen die Aussagen Heidels oder Peters' nachdenklich und unruhig. Schalke wird die Qualifikation zur Champions-League dringend benötigen, um diese angesprochenen Unterschiede zu minimieren. Der Druck, der dieses Jahr auf den Verantwortlichen lastet, ist kaum zu beziffern. Die Sorge, dass Schalke ein Talente-Lieferant für europäische Top-Klubs wird, ist groß. Als junger Profifußballer mit Ambitionen willst du selbstverständlich im Konzert der Ronaldos und Messis dieser Welt mitspielen.

Mit einer großen Tradition, einem tollen Stadion oder einer riesigen Fanbase lassen sich heutzutage leider nur noch ganz wenige Fußballer überzeugen. In Kombination mit einer Champions-League-Teilnahme sähe das schon wieder anders aus. Genau dann kommen diese drei  Argumente nämlich in Verhandlungen zum Tragen und werden zum Trumpf in Heidels Ärmel. Der Ehrgeiz des Trainers Tedesco und der Wille, den die Mannschaft an den Tag legt, geben Grund zur Hoffnung, dass Heidel dieses Ass ausspielen kann.  

Mit einer Champions-League-Teilnahme hätte Schalke die nötigen finanziellen Mittel, eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Eine Verlängerung von beispielsweise Thilo Kehrer würde immer wahrscheinlicher. Bei einem anderen schwinden von Woche zu Woche die Hoffnungen auf einen Verbleib. Auch am Freitag nach dem Spiel vermied Leon Goretzka ein Bekenntnis zum S04 über 2018 hinaus. Wenn er zu einer Verlängerung bereit wäre, hätte er dies wohl längst kundgetan. Hinter den Kulissen wird die Personalie Goretzka geregelt sein und die Suche nach einem geeigneten Nachfolger auf vollen Touren laufen. Davon ist im heutigen Geschäft auszugehen. Die Vereine brauchen Planungssicherheit. Eine Verlängerung Goretzkas käme in diesen Tagen einem achten Weltwunder gleich. Die königsblaue Anhängerschaft lässt sich trotzdem gerne eines Besseren belehren.

Bis dahin bleiben 27 Spieltage, um nach Europa zurückzukehren. Vielleicht heißen die neuen Eurofighter dann McKennie, Wright oder Harit.