Ex-Schalke-Spieler Lincoln. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)
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Schalke vor Bayern: Auf Lincolns Spuren?

Die Englische Woche startete gut für den FC Schalke 04. Die ersten drei Punkte wurden in Bremen eingefahren. Nun kommt die wohl härteste Nuss der Liga. Gegen Bayern München kann der S04 Tabellenführer für 24 Stunden werden. Erinnerungen an damals werden wach.

Am Dienstag hat Schalke nach langer Zeit mal wieder die Chance, auf den ersten Tabellenplatz zu springen. Kein geringerer als der deutsche Rekordmeister FC Bayern München kommt in die Donnerhalle. Klingt zunächst mal nach einem schier unmöglichen Unterfangen. Doch wer sich die Münchner und deren Leistungsschwankungen aktuell anschaut, erkennt zumindest eine klitze kleine Chance. Die will Schalke nutzen.

"Zieht den Bayern die Lederhosen aus" schallte es nach Schlusspfiff aus dem Gästeblock in Bremen. Die Schalker Anhängerschaft scheint wieder Bock auf Bayern zu haben. Das war nicht immer so. Zu groß ist mittlerweile die Dominanz des Rekordmeisters. Nun wirkt die Stimmung nach einem gelungenen Saisonstart aber gelöst.

Viele Schalker erinnern sich sicher an das 1:0 in der Saison 2004/2005, als Freistoßkünstler Lincoln den entscheidenden Ball gegen die Bayern zum knappen Sieg über die Mauer zirkelte und Schalke Tabellenführer wurde. Damals waren die Hoffnungen auf die Schale nach diesem glorreichen Sieg riesig, heute sind wir noch am Beginn der Saison und die Dominanz der Bayern ist - trotz leichter Anfangsschwierigkeiten - ungebrochen. "Du brauchst sicherlich einen Sahne-Tag", schätzt Trainer Domenico Tedesco die Möglichkeit eines Sieges ein. Dazu gehören selbstverständlich stimmgewaltige Schalker auf den Rängen. Darauf setzt Tedesco gegen Bayern: "Wir hoffen auf eine großartige Unterstützung vom Publikum, das alles rausschreit und rausbrüllt."

DVD-Abend bei Königsblau 

Weit nach dem Abpfiff in Bremen war die Aufmerksamkeit der Schalker Profis gefordert. Taktikfuchs Tedesco machte im Mannschaftsbus die Flimmerkisten an und ließ ein paar Filme ablaufen. Inhalt war gewiss keine Serie auf Netflix oder Amazon Prime. Gezeigt wurden stattdessen Sequenzen aus verschiedensten Bayern-Spielen, wodurch den Schalkern mögliche Schwachstellen aufgezeigt werden sollten. Der Trainer dürfte nicht viele gefunden haben, sollte aber nur eine einzige zum Tor für Königsblau am Dienstagabend führen, hat sich der gesellige Videoabend schon gelohnt.

Das Spiel der Münchner in Hoffenheim, bei der die TSG zweimal eiskalt zum 2:0 Heimsieg zuschlug, wird Tedesco sicher mehrmals zerlegt haben. Angesprochen auf dieses Spiel und den Lehren, die daraus gezogen werden könnten, äußert sich der Deutsch-Italiener: "Man kann von jeder Mannschaft etwas lernen, auch von der TSG, die immer eine gute Raumaufteilung hat und ein gutes Pressing spielt." Dass Tedesco im Anschluss an diese Frage das System der Sinsheimer in diesem Spiel darlegte, zeigt, wie sehr er sich mit dieser Partie befasst haben dürfte. Allerdings möchte der S04 seine eigenen Qualitäten in den Ring werfen: "Es ist nicht so, dass wir das eins zu eins kopieren wollen. Wir haben aufgrund unserer Spieler und Personalien andere Ideen und Muster. Wir haben auch was zu bieten", so Tedesco kämpferisch.

Alessandro Schöpf wird nicht zu diesen Spielern zählen. Er fällt auch für dieses Spiel aus. Genauere Gründe für den Ausfall nannte der Trainer auf der Pressekonferenz nicht. Womöglich hindern ihn seine Rückenprobleme an einem Einsatz.

Schalke kämpft weiterhin um Goretzka  

Die Zukunft von Mittelfeldmotor Leon Goretzka ist zumindest in der Öffentlichkeit nicht vollends geklärt. Zwar schreibt die Mehrzahl der Zeitungen von einem beschlossenen ablösefreien Abgang am Ende der Saison zum kommenden Gegner Bayern, verkündet wurde dennoch bis zum jetzigen Zeitpunkt nichts. Der Kicker berichtete am gestrigen Montag zumindest von einem Hammer-Angebot zur Vertragsverlängerung. Schalke soll dem Vize-Kapitän zehn Millionen pro Jahr bieten. Damit wäre er der bestbezahlteste Schalker Profi aller Zeiten. Die Vereinsführung scheint auf jeden Fall alles zu geben oder gegeben zu haben, um einen Transfer zu verhindern.

Verständlicherweise wich Tedesco der Frage, ob der gebürtige Bochumer nächstes Jahr im roten Jersey aufläuft, aus: "Leon ist Spieler von Schalke 04. Wir sind froh, dass wir ihn haben. Er entwickelt sich bei uns weiter. Das ist für ihn ein Spiel wie jedes andere." Goretzka und Schalke haben gemeinsam das Ziel, den Verein zurück in die europäischen Ränge zu führen. Um Unruhen zu vermeiden, könnte der vermeintliche Weggang zum FC Bayern erst nach Ende der Spielzeit verkündet werden - sofern sich keiner vorher verquatschen sollte. Zumindest dürfte auf Schalker Seite kein Interesse an einer vorzeitigen Verkündung bestehen.

Wenn die Königsblauen morgen gegen die Bayern überraschend gewinnen sollten, werden die Münchner nicht nur Goretzka, sondern auch Schalke auf dem Zettel haben. Nämlich als ernstzunehmenden Konkurrenten für die obersten Plätze. Wie damals vor zwölf Jahren im März, als Lincoln die Schalker auf Platz eins schoss.

Träumen darf wohl noch erlaubt sein.