Domenico Tedesco (l.) und Christian Heidel. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)
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Schalke unter Druck: Die neue Saison muss sitzen

Der königsblaue Revierklub steht vor einer richtungsweisenden Saison. Es folgt erneut das Mittelmaß oder man kehrt zurück ins internationale Geschäft. Der Klub muss liefern. Ein Kommentar.

Die Saisonvorbereitung der Bundesligaklubs neigt sich dem Ende. Für den FC Schalke 04 war diese bislang durchaus sehr erfreulich. Bis dato steht keine Testspielniederlage zu Buche. Man gewann die Partien gegen SpVgg Erkenschwick (9:1), SC Paderborn (1:0), Besiktas (3:2), PFC Neftchi Baku und SD Eibar (beide 1:0). Lediglich gegen Inter Mailand musste man sich mit einem 1:1-Unentschieden zufrieden geben. Am Wochenende folgt der letzte Härtetest: Schalke spielt bei Crystal Palace. Viele Beobachter machten in den bisherigen Spielen bereits eine Verbesserung des Schalker Fußballs aus. Die altbekannte Vorfreude auf die neue Spielzeit setzte ein.

Unterstützt wurde dies durch den Klub selbst. Es wurde gelobt, was das Zeug hält. Im Auto wurde gesungen. Die Social-Media-Kanäle derartig bespielt, dass die Fingerchen glühen müssten. Eine möglichst positive Stimmung sollte und soll weiterhin verbreitet werden. In den Interviews der Spieler wurde die Mannschaft für ihren vorhandenen Zusammenhalt besungen. Selbstverständlich erntete auch Neu-Trainer Domenico Tedesco viele Lorbeeren aus dem Team und besonders von Sportvorstand Christian Heidel. Das ist alles in erster Linie auch gut so. Positive Stimmung muss sein, um neues Feuer bei den zahlreichen Fans zu entfachen. Dies ist dem Klub gelungen.

Tedescos Vorteil

Allerdings hat eine Medaille immer zwei Seiten, und auf Schalke hat die andere in den letzten Jahren des Öfteren den Ton angegeben. Nach zwei Jahren in der Europa League folgte in der Vorsaison der Absturz auf Platz zehn und das damit verbundene Verpassen des internationalen Geschäfts. Schalke 04 hat einen Verlust an Deutungshoheit in der Bundesliga hinnehmen müssen. 

Zudem sprangen in Huawei und Hisense zahlungskräftige Premium-Sponsoren aufgrund des ausbleibenden Erfolges bereits ab. Marketingvorstand Alexander Jobst ist es zu verdanken, dass die fehlenden Einnahmen aufgefangen werden konnten. Lange geht dies bei bleibendem Istzustand jedoch nicht gut, Schalke braucht das internationale Geschäft und die dadurch zu generierenden Mehreinnahmen.

Nicht nur deshalb muss die kommende Saison sitzen. Der Revierklub steht unter so großem Druck wie schon lange nicht mehr. Dass der Europapokal verpasst wurde, hat zumindest den besagten Vorteil, dass nur noch auf zwei Hochzeiten getanzt wird und die Dreifachbelastung der letzten Jahre wegfällt. Trainer Tedesco und der Mannschaft sollte dies zu Gute kommen. 

Der Deutsch-Italiener ist nach Felix Magath vor acht Jahren in der Lage, in seinem ersten Jahr auf Schalke seine Inhalte ausreichend trainieren zu können. Die Königsblauen haben nun stets eine Woche Vorbereitungszeit auf den nächsten Gegner. Dies bedeutet aber auch, dass bei weiterem Misserfolg eine gern genutzte Beschwichtigungsmöglichkeit nicht mehr vorhanden ist.

Erneutes Mittelmaß vermeiden

Die Verantwortlichen und das königsblaue Umfeld ersehnen sich eine Rückkehr in den Europapokal. Dafür versuchen die Entscheidungsträger alles. Gestern wurde bekannt, dass der Aufsichtsrat nach Absprache mit dem Vorstand zusätzliche zehn Millionen Euro für weitere Neuzugänge freigibt. 

Dies sollte verständlich machen, wie hoch der Druck auf Schalke lastet. Das bedeutet nur eines: Der Anschluss darf auf keinen Fall verpasst werden. Die Bundesligakonkurrenz hat sich in den letzten beiden Jahren im Kampf um Europa spürbar vergrößert. Wie ein sagenhafter Absturz eines einstigen Champions-League-Klubs aussieht, machte Werder Bremen vor. Das soll am Berger Feld tunlichst vermieden werden.

Deshalb ist Schalke 04, bei all dem vielen Geld, welches in den Verein gepumpt wird, in der Pflicht, wieder international vertreten zu sein. Auch wenn nach außen hin kommuniziert wird, dass man sich kein direktes Saisonziel setzt, dürfte dennoch jedem Fan klar sein: Nur das Erreichen der Königsklasse wäre ein deutliches Zeichen an die Anhänger, Kontrahenten und Sponsoren. Die Europa League wäre ein Teilschritt nach vorne in Anbetracht der verkorksten Vorsaison. Allerdings, ohne die Reise- und Spielstrapazen in der kommenden Saison, muss und sollte sich Schalke 04 die Champions League als klares Ziel vornehmen.

Die Voraussetzungen für eine weitaus bessere Spielzeit sind jedenfalls nicht schlecht. Der Lizenzspielerkader ist nahezu verletzungsfrei. Breel Embolo und Benedikt Höwedes stehen kurz vor der Rückkehr und Alessandro Schöpf macht sehr gute Fortschritte. Die bisherigen Neuzugänge und der eine oder andere Jugendspieler lassen ebenfalls positiv nach vorne blicken.

Die Gegebenheiten sprechen für das Team von Tedesco.