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Schalke kann seine Saison vergolden

Am vergangenen Sonntag loste der DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke die Halbfinal-Paarung Schalke gegen Frankfurt aus. Das vermeintlich einfachere Los beschert Königsblau zwar gute Chancen Berlin am 19. Mai in blau und weiß zu tränken, doch zuvor sollte der Liga vollste Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Sonntagabend, irgendwas zwischen 18 Uhr und 18 Uhr 30. Andi Köpke zieht die Kugeln. Als erste wird Leverkusen gezogen. In diesem Moment dachte wohl jeder Schalker: Jetzt bloß nicht die Frankfurter. Der Vizepräsident des DFB, Peter Frymuth, öffnet - für mein Befinden viel zu langsam - die Kugel und lost der "Werkself" den FC Bayern München zu. Damit war klar, dass die Königsblauen - anders als im letzten Jahr - einer frühzeitigen Begegnung mit den Bayern aus dem Weg gehen. Jubelschreie der anwesenden Schalker im ARD-Studio und vermutlich auch in einigen Wohnzimmern vor der Flimmerkiste.

Ein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt ist sicher großteils das Wunschlos, wenngleich sich Königsblau vor eigener Kulisse zuletzt etwas schwer tat. Frankfurt ist einer dieser unbequemen Gegner, denen eine Überraschung durchaus zuzutrauen ist. Dass die Schalker Mannschaft allerdings in dieser Saison eine Einstellung besitzt, die so in der Form schon lange nicht mehr auf den Platz gebracht wurde, stimmt positiv. Die SGE wird sich sicher an ihr letztes Spiel in der Liga gegen Blau-Weiß und insbesondere die 94. Minute gern zurückerinnern. Das Team wird sich vor heimischer Kulisse für den Traum, nach sieben Jahren endlich wieder nach Berlin zum Finale zu fahren, zerreißen. Die Eintracht dürfte sich also auf einen ordentlichen Fight in der Veltins-Arena gefasst machen.

Die ersten Hotelzimmer sind gebucht  

Das Ergebnis der Auslosung war wahrscheinlich gerade mal fünf Minuten alt, da wurden schon die ersten aufgeregten Nachrichten über verschiedene soziale Netzwerke bezüglich Hotelbuchungen, Tickets und reichlich Veltins für den 19. Mai ausgetauscht. Schaute man sich auf Facebook, Twitter oder in sonstigen Schalker Foren um, waren die wohl meist gestellten Fragen: Wie komme ich an die Final-Tickets und wie gestaltet sich der Vorverkauf? Verrückt, ja, aber irgendwie auch menschlich und typisch für diesen mit Leidenschaft gelebten Verein. Der DFB-Pokal scheint sowas wie die Ersatz-Meisterschaft für den S04 zu sein. Somit sind jegliche Versuche, die Euphorie auf Schalke zumindest beim Publikum einzudämmen, zwecklos. Bei dem Großteil jedenfalls. Die Fraktion der Skeptiker gibt es natürlich auch wie immer.

Die Mannschaft tut gut daran, sich davon abzukapseln und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das gelingt ihr bisher ganz gut. Tickets, Hotelbuchungen und eine ordentliche Ladung Veltins können auch noch nach diesem immens wichtigen Spiel gegen die SGE besorgt werden. Zunächst würde eine volle und lautstarke Arena gegen Frankfurt die Chance maximieren, Mitte Mai die Reise in die Hauptstadt anzutreten.

Die Champions-League-Qualifikation hat Vorrang

Zwölf Spieltage verbleiben, bis klar ist, ob Schalke sein gestecktes Ziel, die Rückkehr ins internationale Geschäft, erreicht hat. Übersetzt heißt das: die Champions-League-Teilnahme in der nächsten Saison. Aktuell stehen die Königsblauen auf Platz sechs und müssen zwischen einer guten Leistung und unglücklichen Niederlage in München sowie der Pokal-Auslosung irgendwie den Fokus auf das nächste Spiel gegen Hoffenheim lenken. Vor allem darauf, endlich wieder dreifach zu punkten.

Natürlich lässt sich ein Spiel in München niemals mit einer Partie gegen Hoffenheim vergleichen. Dennoch hat die Schalker Mannschaft am Samstag Mut und Ehrgeiz bewiesen. Sollte sie in den verbleibenden Wochen diesen notwendigen Willen an den Tag legen, bestehen berechtigte Hoffnungen, dass es am Ende für Platz vier reicht.  

Ein anschließendes DFB-Pokalfinale gegen – sehr wahrscheinlich – die Bayern, wäre das i-Tüpfelchen auf einer insgesamt zufriedenstellenden Saison. Fehlender Einsatz kann der Mannschaft bis heute nicht vorgeworfen werden und das ist am Ende das, was im Ruhrgebiet zählt. Vielleicht kommt also auf die nächsten 13 Finalspiele noch eines in Berlin oben drauf.