Ralf Fährmann. (Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)
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120 Minuten als Symbol einer denkwürdigen Saison

Schalke 04 scheidet trotz eines 3:2-Sieges gegen Ajax Amsterdam in der Europa League aus. Das Spiel hatte eine unglaubliche Symbolhaftigkeit für die gesamte Spielzeit.

Die Partie gegen Ajax begann so, wie es sich wohl die meisten S04-Anhänger gewünscht hatten. In den ersten fünf Minuten der Partie sorgten Max Meyer und Leon Goretzka durch zwei Riesenchancen für ein Stimmungserdbeben in der Veltins-Arena. Ein frühes Tor hätte der Mannschaft unheimlich gut getan. Eine Reaktion auf die Darmstadt-Blamage war genau so spürbar wie notwendig.

Nach den beiden frühen Möglichkeiten baute S04 zunächst etwas ab. Ajax kam öfter gefährlich nach vorne, die junge Mannschaft aus den Niederlanden fand besser in die Partie. S04 war im Gegensatz zum Hinspiel die spielbestimmende Mannschaft. Ein 1:0 zur Halbzeit wäre nicht unverdient gewesen. Schalke verlor nie die Kontrolle.

Kurz nach der Pause klappte es dann doch. Mit einer ungeheuren Energieleistung von Leon Goretzka, der trotz einer Gehirnerschütterung im ersten Durchgang weiterspielte, ging Schalke verdient in Führung. Dass Burgstaller direkt nachlegen konnte und das 2:0 machte, zeigte, dass Schalke sich für den Abend einiges vorgenommen hatte.

Ajax war danach stehend K.O., spätestens der Platzverweis ließ alle restlichen Kräfte schwinden. Die frustrierende Erkenntnis: Schalke hätte das Spiel nach 90 Minuten entscheiden können - wenn nicht sogar müssen. Gefühlt jeder Angriff wurde gefährlich, Amsterdam hatte hinten ernsthafte Probleme. Trotzdem war zum Anpfiff der Verlängerung klar: Wenn einer diese Partie gewinnen muss, dann Schalke.

Das 3:0 von Daniel Caligiuri war eine Jubelexplosion im Stadion, wie sie sonst nur bei Derbys zu hören ist. Das Halbfinale war zum Greifen nah, die Schalker verteidigten mit letzter Kraft.

Und dann prallt der Ball von Matija Nastasic unglücklich ab und geht tatsächlich zum Anschlusstreffer in die Maschen. Eine Mischung aus purem Unglück und nachlässiger Verteidigung brachte Ajax den Treffer, den Schalke anschließend nicht mehr korrigieren konnte.

Schalke brachte eine ungeheure Energieleistung auf den Platz. Von Leon Goretzka über Guido Burgstaller bis hin zu Ralf Fährmann - Schalke kann kämpferisch wie schon in der gesamten Saison nichts vorgeworfen werden. Trotzdem überwiegt natürlich die Enttäuschung über das Ergebnis.

Es ist eine Symbolhaftigkeit in dieser Partie gewesen, die kaum besser zur Saison hätte passen können. Dem Jubel über eine grandiose Aufholjagd gegen Ajax folgte mit dem Anschlusstreffer die pure Ernüchterung. Ein kampfstarkes Rückspiel folgte auf ein emotionsloses, schwaches Hinspiel. So läuft es schon die gesamte Saison. Auf Euphorie und Optimismus wie nach dem Rückspielderby (1:1) oder dem klaren Sieg gegen Wolfsburg (4:1) folgen fürchterliche Auftritte wie das Hinspiel gegen Ajax (0:2) oder die peinliche 1:2-Pleite gegen Darmstadt.

Christian Heidel und Markus Weinzierl ist es zumindest in dieser Saison nicht gelungen, die so lange geforderte Konstanz zu erreichen. Die Punktebilanz in der Bundesliga ist schwach, alle Hoffnungen auf eine Europacup-Teilnahme im nächsten Jahr sind seit gestern dahin. Dieser Kritik werden sich die beiden Verantwortlichen ausnahmslos stellen müssen. Die Europa League, die als Strohhalm für eine schwache Saison angesehen wurde, ist genau so verschwunden wie der Optimismus, die Saison noch halbwegs erträglich zu beenden. 

Christian Heidel hat es geschafft, dem Verein mehr Ruhe und Gelassenheit im Umfeld einzutrichtern. Das ist eine bemerkenswerte Errungenschaft, sportlich bringt sie den Verein aber nicht weiter. Dass dieses Fazit ausgerechnet nach so einem kamfpstarken Spiel wie gegen Ajax gezogen werden muss, ist die bittere Erkenntnis aus einer Saison, in der schon früh der Europapokal als Hoffnungsträger galt.

Weinzierl und Heidel sollten natürlich zusammen in die neue Saison gehen. Ein Trainerwechsel ist nicht sinnvoll und entspricht nicht der Mentalität des Managers. Trotzdem wird sich die Vereinsetage zusammensetzen müssen, um zu diskutieren, warum diese Spielzeit wieder einmal nicht ansatzweise den Erwartungen entsprechen konnte.  Das fängt bei viel zu spät verpflichteten Stammspielern an und hört beim Verletzungspech auf. Alles Faktoren, die Schalke schwer geschadet haben.

Darüber wird zu reden sein. Schalke muss die Saison jetzt einigermaßen vernünftig abschließen. Wieder einmal hoffen fast alle S04-Fans auf die Sommerpause. Die wird, wie bei jedem anderen Bundesligisten auch, Veränderungen bringen. Diese sollten den Verein zur Abwechslung mal sportlich weiterbringen. Und nicht wieder aus erzwungenen Trainerentlassungen oder Mäßigungen des Umfelds bestehen.

Lernt aus euren Fehlern, Schalke. Seid nicht überstürzt, sondern überlegt. Entscheidet gewissenhaft, aber nicht irrational. Die neue Saison muss besser werden.