Markus Weinzierl. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
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Taktikgespräch mit Tobias Escher: Schalke hat wieder klare Angriffsrouten

In einem Gespräch mit Tobias Escher erläutert der Taktikexperte unter anderem auch die Systemumstellung von Trainer Markus Weinzierl.

Als der FC Schalke 04 den Bundesligastart vollends in den Sand setzte, beschloss Markus Weinzierl von Vierer- auf Fünferkette umzustellen. Seine Mannschaft kämpfte zum damaligen Zeitpunkt mit vielerlei Problemfeldern, aufgrund einiger Neuzugänge, die erst recht spät den Weg nach Gelsenkirchen gefunden haben. "Nach dem schwachen Saisonstart brachte das 5-3-2 die nötige defensive Stabilität", erklärt Escher den Grund für Weinzierls drastische Maßnahme. "Diese Stabilität", ergänzt er, "wurde das Fundament für die Schalker Aufholjagd Mitte der Hinrunde."

Systemwechsel zunächst richtig

Der große Vorteil des 5-3-2 sei das Fünfeck im Zentrum. "Die drei Mittelfeldspieler und die beiden Stürmer haben das Zentrum komplett im Griff, der Gegner muss über die Außen spielen. Wenn Schalkes Fünferkette dann auch noch stabil steht, kann der Gegner kaum sinnvollen Raumgewinn erzielen, sondern spielt sich am Flügel fest", schildert Escher weiter. Dies dürften auch die Gedankengänge von Weinzierl gewesen sein, dessen folgende Ergebnisse die Systemumstellung mehr als nur rechtfertigten. Schalke 04 blieb in 12 Pflichtspielpartien ungeschlagen und schaffte es, satte zehn Spiele davon siegreich zu gestalten.

Doch gegen Ende der Hinrunde schien es so, als sei Schalkes neuer Code von den Kontrahenten geknackt worden zu sein. Endgültig den Bach runter ging das 5-3-2-System als sich Naldo so schwer verletzte, dass er für den Rest der Saison aus dem Lizenzspielerkader gestrichen werden musste. Ein insofern schlimmer Verlust, weil man das Gefühl hatte, er war die tragende Säule in der Abwehrreihe. Doch war es nur eine Apperzeption oder doch eine Tatsache? "Von außen lässt sich immer schwer sagen, wie es um die Hierarchie einer Mannschaft bestellt ist. Es scheint aber so, als wäre Naldo derjenige Spieler, der innerhalb der Fünferkette die Kommandos gibt. Das ist gerade beim Heraus- und Herüberschieben wichtig", erklärt der 28-Jährige.

Rückkehr zur Viererkette

Seit knapp einer Woche (und zwei Pflichtspielen) ist die Rückkehr zum 4-2-3-1-System amtlich und hierbei von sehr ansprechenden Leistungen der Schalker Mannschaft geprägt. Gegen Borussia Mönchengladbach im Europa-League-Hinspiel reichte es zwar nicht für einen Heimsieg (1:1), dennoch war der Revierklub klar Herr im eigenen Hause. Am vergangenen Sonntag fegte Weinzierls Elf dann den FC Augsburg mit 3:0 vom Platz, gönnte sich in der zweiten Halbzeit sogar den Luxus, einen Gang runterzuschalten und Kräfte zu schonen.

Viele Fans forderten in den königsblaugefärbten Internetforen oder den üblichen Social-Media-Plattformen jene Systemumstellung. "Tatsächlich scheint die neue Formation nach der Verletzung von Naldo besser zu passen. Weinzierl spielt mit einer Asymmetrie im 4-2-3-1, wie er dies auch in seiner Zeit in Augsburg getan hat. Der Linksaußen agiert offensiver, der Rechtsaußen etwas defensiver. Schalke hat wieder klare Angriffsrouten, auch Geis lässt sich als Teil der Doppelsechs einbauen. Mittelfristig bin ich gespannt, ob man mit der Viererkette die defensive Stabilität so hochhalten kann wie mit der Fünferkette", so Escher abschließend.

Am kommenden Donnerstagabend trifft der FC Schalke 04 im Borussia-Park auf die Fohlen aus Mönchengladbach und hofft auf den Einzug in die nächste K.o.-Runde der Europa League. Höchstwahrscheinlich wieder mit einer Viererkette.

Wer mehr über Tobias Escher erfahren möchte, kann dies auf sämtlichen Plattformen tun. Auf Twitter ist er unter @TobiasEscher zu finden. Zudem ist er Autor bei Spielverlagerung, 11 Freunde, Welt und BILD am Sonntag.