Max Meyer (r.) im Zweikampf mit Hakan Calhanoglu. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)
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Max Meyer - das nächste Sinnbild des Schalker Wandels

Max Meyer kehrt Schalke 04 höchstwahrscheinlich den Rücken zu und lehnt ein Angebot für eine Vertragsverlängerung ab. Ein Wechsel erscheint für beide Seiten sinnvoll. Warum eigentlich?

Es ist ein symbolisches Bild aus vergangenen Tagen. Beim Abschiedsspiel von Raúl Gonzales Blanco vor knapp vier Jahren wurde der Spanier kurz vor Schluss ausgewechselt. Die alte Nummer 7 kam für die neue - Max Meyer. Ein Generationenwechsel, wie er bildlicher nicht besser hätte dargestellt werden können. Vier Jahre später ist von dieser Symbolhaftigkeit wenig übrig geblieben. Meyer wird den Verein vermutlich verlassen. Ein erstes Angebot zu einer Vertragsverlängerung lehnte er ab.

Der kleine Blondschopf hatte es nicht besonders leicht in diesem Jahr. Anstatt mit sportlichen Leistungen Schlagzeilen zu machen, geriet er durch eine Breitseite seines eigenen Trainers unter Beschuss. Nach der Pokalpleite in München sagte der Cheftrainer, dass die Zweikampfquote eines Nationalspielers nicht würdig gewesen sei. Er wurde zur Pause ausgewechselt. Der Vorfall, der eigentlich dem Trainer anzukreiden ist, blieb tagelang das Topthema im Ruhrpott.

Und auch die Schlussfolgerungen aus diesem Disput waren schnell verfasst. Was soll Meyer noch auf Schalke halten? Wohin zieht es ihn als nächstes? Ein relativ vorschnelles Urteil. 27 Bundesliga-Spiele stehen für Max Meyer in dieser Saison auf dem Konto. Das ist keine schlechte Quote, zudem er auch einige Spiele verletzt fehlte. Trotzdem spielte er in der Saison davor deutlich häufiger. Weinzierl sah in diesem Jahr oftmals keine Verwendung für ihn.

Das hat mehrere sportliche Gründe. Zum einen fehlt Meyer, wie auch dem gesamten restlichen Team, die Konstanz in seinem Spiel. Bei Partien gegen Mainz in der Hinrunde oder beim Heimspiel gegen Wolfsburg stach das Talent von Meyer immer wieder hervor. Die Zahl der schwachen Spiele überwiegt aber. Die Tagesform ist bei Meyer der entscheidende Faktor. Das hat natürlich auch mit den Leistungen seiner Kollegen zu tun. Außerdem kommen spielerische Defizite hinzu. Oftmals beißt sich der Mittelfeldmann in der Vorwärtsbewegung fest, verpasst ein rechtzeitiges Anspiel oder verliert den Ball durch kleinere technische Fehler. Das hat er in der letzten Saison deutlich besser gemacht. Oftmals entstand bei ihm der Eindruck zunehmender Lustlosigkeit. Er ist ein Charakterkopf und lässt sich von aufflammender Kritik leicht beeinflussen. Auch mit Nicht-Berücksichtigungen ging er in der Vergangenheit nicht immer glücklich um.

Und trotzdem würde der erst 21-jährige auf Schalke eine Lücke hinterlassen. Charakterköpfe sind auf Schalke nicht immer etwas schlechtes gewesen. Im Gegenteil. Meyer bleibt trotz seines Alters vor allem dadurch in Erinnerung, seine Emotionen frei geäußert zu haben. Das war nicht immer glücklich, aber es gehört eben dazu. Er hatte teilweise unglaubliche Spiele, in denen seine Dribbelkunst so richtig zur Geltung kam. Und er ist eine gefühlte Ewigkeit auf Schalke dabei. Das ist zu honorieren. Stimmen, die ihn jetzt ausschließlich als "völlig überschätzt" verabschieden, tuen ihm Unrecht. Auch ein Max Meyer hat auf Schalke nicht immer die Wertschätzung erhalten, die er verdient gehabt hätte. Ein möglicher Abschied könnte ihm neue Türen öffnen und wäre vermutlich auch sinnvoll. Denn auch diese Personalie steht sinnbildlich für das, was Schalke in den letzten Jahren negativ auszeichnet. Die Leistungen werden schwächer und unbeständiger, auch bei ihm. Schalke wird dieses Problem angehen müssen. Und hat alle Hände voll zu tun.

Knapp vier Jahre nach dem symbolischen Wechsel mit Raúl bleibt eine Erkenntnis stehen: Max Meyer scheiterte auf Schalke nicht nur an den Erwartungen des Publikums. Sondern auch an sich selbst. Falls er gehen sollte, wird er das nicht wegen einer öffentlichen Kritik des Trainers machen. Der Schritt ist gut überlegt. Und hat mit hoher Sicherheit auch mit dem Druck zu tun, dem er in den vergangenen Jahren nicht mehr standhalten konnte. Schade.