Max Meyer im Zweikampf mit Nils Petersen. (Photo by Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images)
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Max Meyer 2.0

Seit 2009 ist Max Meyer auf Schalke. So richtig angekommen scheint er aber erst seit dieser Spielzeit. Die letzte Saison hat ihn offensichtlich geprägt und in der Persönlichkeit reifen lassen. Unter dem neuen Trainer ist er nun unangefochtener Stammspieler auf einer für ihn neuen Position.

Es war der 14. Oktober des vergangenen Jahres. Der achte Spieltag in der Fußball-Bundesliga. Domenico Tedesco hatte die zündende Idee, die sich auch Monate danach noch auszahlen sollte. Max Meyer, einstiger Offensiv-Wirbelwind, den die Bild-Zeitung zu Beginn seiner Karriere "Mini-Messi" taufte, spielte zum ersten Mal auf einer Position, die ihm zunächst so keiner zugetraut hätte. Auf der Position des  "Sechsers" respektive "Achters" brachte Meyer eine so couragierte und gute Leistung, dass Tedesco bis zum heutigen Tag auf den amtierenden U21-Europameister und neuen Mittelfeld-Anführer baut. Schalke gewann 2:0 im Berliner Olympiastadion und spielte fortan eine klasse Hinrunde, abgeschlossen auf Platz zwei der Liga. Der neue Meyer war geschaffen. Und das nicht nur auf dem Rasen.

Der Tiefpunkt 

Schalke und Meyer? Danach sah es zunächst nach dem Ende der vergangenen Saison nicht mehr aus. Ein Abschied stand im Raum, eine Verlängerung des 2018 auslaufenden Vertrages zu diesem Zeitpunkt nahezu ausgeschlossen. Meyer lehnte ein Angebot des Vereins ab, bei dem daraufhin wohl auch Zweifel an einer Zusammenarbeit bis Ende 2018 aufkamen. 

Ein äußerst unzufriedener Spieler, der von Ex-Trainer Markus Weinzierl öffentlich nach einer Pleite im Pokal harsch kritisiert wurde, dachte nach neun Jahren Königsblau über eine Veränderung nach. Der Tenor der Kritik Weinzierls damals: Mangelndes Defensivverhalten, fehlender Einsatz. "Er ist Nationalspieler und hat von sechs Zweikämpfen nur einen gewonnen. Das sagt alles", sagte Weinzierl damals beim Bezahlsender Sky nach der bitteren Niederlage in München. Meyer war unmittelbar nach dem Spiel für die Medien der Buhmann. Dabei war er es sicher nicht alleine, der seine Leistung nicht abrufen konnte.

Irgendetwas musste sich trotzdem ändern. "Klar ist, dass ich nächste Saison besser zur Geltung kommen muss", so Meyer damals gegenüber Bild. Die Saison war gelaufen, Weinzierl Geschichte und Meyer begann, sich und seine Rolle zu hinterfragen.

Neuer Trainer, neues Glück  

Tedesco kam - Meyer lieferte ab. In erster Linie ist es dem neuen Schalker Coach zu verdanken, dass er die Qualitäten Meyers richtig einschätzte und für ihn die scheinbar perfekte Position fand. Also ging es für ihn auf dem Rasen ein paar Meter weiter nach hinten. Malochen war ab sofort angesagt. Allerdings interpretiert er diese Position anders und moderner. Meyer zeichnet nicht das destruktive Spiel aus, sondern die Eröffnung mit klugen Pässen ist es, die ihn momentan so wertvoll macht. Das Bewusstsein, dass er den Ball stets unter Kontrolle hat, gibt dem Team die nötige Sicherheit. Ab und an setzt Meyer aber auch zur Grätsche an – durchaus mit Erfolg. "Ich bin auf dieser Position noch in der Lernphase. Man kann vor allem bei den Spielen in der Champions-League viel lernen. Die gucke ich mir genau an. Ich orientiere mich immer an den Besten – das ist im zentralen Mittelfeld für mich Marco Verratti von Paris", sagte Meyer noch zu Beginn der Umstellung der Bild-Zeitung.

Meyer blüht unter Tedesco regelrecht auf. Das gegenseitige Vertrauen schlägt sich auch in seinen Spieldaten nieder. Nach so mancher Partie taucht er nun in den Statistiken beispielsweise als laufstärkster Spieler auf, der zuweilen die meisten Ballkontakte hat und auch die Zweikampfquote steigt allmählich. Dass er dabei das Spiel nach vorne nicht zu sehr vernachlässigen darf, ist Meyer bewusst. 

Auf vereinseigenen Kanälen, wie beispielsweise bei Schalke TV, gestand er frühere Fehler ein, gab und gibt sich äußerst selbstkritisch, aber zugleich selbstbewusst in die Zukunft blickend. Über seine Vertragssituation spricht er offen und ehrlich, wohlwissend, was er am aktuellen Trainer und dem gesamten Verein hat. Falsche Hoffnungen macht er den Fans dabei nicht. Zumindest klingt er diesbezüglich deutlich positiver als noch im vergangenen Sommer. 

Beim letzten Pokalspiel gegen den 1.FC Köln traf Meyer sogar per Kopf und öffnete damit die Tür fürs Weiterkommen. Zwar etwas glücklich per Bogenlampe mit dem Hinterkopf, doch das war in diesem Moment egal. Es war der Verdienst für seine Anstrengungen, ein Sinnbild für den neuen Max Meyer.