Gegen die TSG Hoffenheim will Schalke zurück in die Erfolgsspur. (Photo by Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)
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Hoffenheim als Gradmesser

Mit einer enttäuschenden Niederlage aus dem Süd-West-Schlager gegen die Bayern geht es für Königsblau Samstag nach Hoffenheim. Die Diskussionen um den Videobeweis reißen nicht ab. Bei einem Schalker-Spieler hingegen herrscht bald Klarheit.

Die 0:3 Pleite gegen die Bayern ist abgehakt, eine neue Aufgabe steht mit dem Auswärtsspiel in Hoffenheim parat. Somit endet die Englische Woche mit einem Gegner, den Schalke am Ende der Saison hinter sich lassen will. Der Europa-League Teilnehmer Hoffenheim wird nach seinem glücklichen Sieg am vergangenen Mittwoch in Mainz mit breiter Brust gegen Schalke auftreten. Mit einem Auswärtssieg könnten die Gelsenkirchener auf Platz drei vorrücken und die Sinsheimer in der Tabelle überholen. "Uns erwartet eine Mammutaufgabe", meint Trainer Domenico Tedesco in Hinblick auf Samstag. Im vergangenen Jahr verloren die Schalker nach Führung am Ende unglücklich in Hoffenheim, wodurch Schalke nach fünf Spieltagen mit null Punkten im Tabellenkeller stand. Die Königsblauen haben also etwas gut zu machen.

"Beim Spiel Mainz gegen Hoffenheim war viel Exemplarisches dabei, wie man die TSG charakterisieren kann", beurteilt Tedesco den anstehenden Gegner auf der obligatorischen Pressekonferenz. Dass die Mannen von Julian Nagelsmann das Spiel in Mainz nach 0:2 Rückstand drehten und 2:3 gewinnen konnten, deute auf eine große Mentalität und große Charaktere im Kader der Sinsheimer hin. Ebenso zeichne diese Mannschaft eine "großartige Geschwindigkeit und ein Highspeed-Kombinationsfußball aus", lobt Tedesco die Mannschaft seines ehemaligen Klassenkameraden Nagelsmann.

Bei Goretzkas Pendant zwickt es  

Der Nebenmann von Leon Goretzka fehlte beim Training am Donnerstag. Nabil Bentaleb plagt sich aktuell mit muskulären Beschwerden herum. Allerdings seien diese nur "leichte muskuläre Probleme", so Tedesco über den Algerier. Es gebe eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Mittelfeldmann Samstag spielen könne. Eine endgültige Entscheidung wird laut Tedesco morgen im Abschlusstraining fallen. Alessandro Schöpf wird weiterhin aufgrund von Rückenbeschwerden nicht dabei sein.

Breel Embolo kommt dagegen einem Einsatz in der ersten Elf immer näher. "Breel hat unterstrichen, dass wir mit der Dosierung und der Zeit, die wir ihm gegeben haben, richtig lagen. Er hat sich einem Startelf-Einsatz genähert." Ein fitter und hungriger Embolo würde Schalke in Hoffenheim auf jeden Fall gut zu Gesicht stehen.

Ein anderes Thema vor dem wichtigen Auswärtsspiel war wie so oft Leon Goretzka. Angesprochen auf die Zahlen, die diese Woche im Kicker kursierten, konnte Sportvorstand Christian Heidel nur schmunzeln. Der Kicker berichtete von zehn Millionen Euro Gehalt, die Goretzka jährlich bekäme, wenn er sich für eine Vertragsverlängerung auf Schalke entscheide. "Das ist für mich überhaupt kein Thema, über Gehälter, die auf Schalke gezahlt werden, in der Öffentlichkeit zu reden", reagierte Heidel auf die Gerüchte. Lange werden sich die Schalker Fans und Verantwortliche aber wohl nicht mehr gedulden müssen, wie Heidel ankündigte: "Im Zuge der Vorrunde wird eine Entscheidung gefällt."

Keine Zustände wie in der NFL

Die Debatte um den Videobeweis hat spätestens seit dem Bayern-Spiel den FC Schalke erreicht. Die Gelsenkirchener sehen sich zurecht aufgrund eines vergleichbaren Falls im Hannover-Spiel, als Schalke keinen Elfmeter bekam, benachteiligt. Dennoch sehen die Verantwortlichen die technische Neuerung grundsätzlich positiv: "Der Fußball wird gerechter. Der Videobeweis hat Fehler ganz eindeutig reduziert", meint Heidel. Verbesserungen sind laut Heidel nichtsdestotrotz angebracht: "Ich würde mir bessere Kopfhörer wünschen. Wir fangen auf der Bank an zu zittern, während der Schiedsrichter auf seinen Kopfhörer drücken muss, um den Videoschiedsrichter zu verstehen."

Verhältnisse anderer Sportarten, wie beispielsweise in der amerikanischen Footballliga "NFL", in der der Videoschiedsrichter im Stadion sitzt, seien nicht nötig. Vor allem beim Thema Handspiel müsse Klarheit geschaffen werden. Heidel erkennt keinen Unterschied zwischen den Fällen Hannover und Bayern: "Ich möchte ungern darüber diskutieren, ob die Hand von Naldo zehn Zentimeter weiter rechts war, als die des Hannoveraner Spielers. Wir sollten nicht mit Erbsenzählen anfangen."

Nach dem Spiel in Hoffenheim möchte Königsblau keine Erbsen mehr zählen, sondern drei Punkte mehr in der Tabelle. Der Schalker Trainer Tedesco war seinem ehemaligen Mitschüler Nagelsmann schon einmal im DFB-Lehrgang um 0,3 Punkte voraus. Es bleibt abzuwarten, wer am Samstag um 17:20 Uhr seine Hausaufgaben besser erledigt hat.