Schalke-Sportvorstand Christian Heidel. (Photo by Sascha Steinbach/Bongarts/Getty Images)
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Fehler der Vergangenheit: Heidels Revision

Der FC Schalke 04 ist weiterhin dabei, sich auf bestimmten Feldern neu aufzustellen und grundlegend zu verändern. Sportvorstand Christian Heidel schafft dafür die Weichen – trotz Gegenwind. Ein Kommentar.

Als Schalkes ehemaliger Sportvorstand Horst Heldt Ende Mai 2015 den glücklosen Roberto Di Matteo beurlaubte und diese rund achtmonatige Liaison mit dem hochgelobten Trainer als Missverständnis titulierte, bedeutete dies intern, dass seine Zeit auf Schalke zu einem Ende kam. Die sportliche S04-Bilanz des jetzigen Managers von Ligakonkurrent Hannover 96 liest sich auf den ersten Blick recht positiv. Unter ihm gelang drei Mal infolge der Einzug in die Champions League. Und zwei Mal konnte noch die Europa League erreicht werden.

Was mit den Jahren aber deutlich wurde, war die abfallende Qualität des Kaders. Die Personalkosten schwankten zwischen rund 80 und 90 Millionen Euro, die Qualität des Kaders verschlechterte sich. Das Ergebnis: Eine Schere im Preis-Leistungs-Verhältnis. Heldt profitierte von einem Kader, der von Felix Magath zusammengestellt wurde. 2012 verließ mit Raul Gonzalez Blanco ein wichtiger Leistungsträger den Verein. In den drei Jahren danach blieben die wichtigsten Spieler Schalke erhalten. Dennoch gelang es nicht, das Aufgebot qualitativ zu verstärken. In den letzten beiden Jahren unter Heldt schleppte sich Schalke 04 mit Mühe und Not noch in die Europa League.

Mit Christian Heidel holte sich der Klub 2016 einen Manager, der die Fehler der Vergangenheit einer Korrektur unterzieht. Aus einem Interview-Text der Funke Mediengruppe geht hervor, dass die hohen Personalkosten gesenkt worden sind – um knapp 40 Prozent. Heidel ließ teure Verträge auslaufen und trennte sich von Spielern, die diesem Preis-Leistungs-Verhältnis nicht gerecht wurden. Wiederum verließen S04 aber auch Spieler, die woanders ihr sportliches Glück (und Geld) finden wollten – obwohl man sie gerne gehalten hätte. Glaubt man dem Bericht der Funke Mediengruppe, wurden die Gehaltskosten von rund 78 Millionen Euro um 30 Millionen Euro auf 48 Millionen Euro gesenkt. Hinzukommen noch Prämien, die sich aufgrund der ausbleibenden Europapokalpartien in einem überschaubaren Rahmen befinden. "Die Mannschaft ist günstiger, das war so gewollt", gab Heidel an.

Stillstand ist Rückschritt

Kommen wir zu einem wichtigen Punkt, den Tobias Escher von Spielverlagerung ansprach. Der Personaletat wurde um knapp 40 Prozent gesenkt. Nun stellt sich die Frage: Hat sich die Qualität des Kaders denn auch um 40 Prozent gesenkt? Eine Frage, zu der es bestimmt bunte Meinungen gibt. Ich persönlich finde nicht, dass sich der Kader derart verschlechtert hat. Viel mehr gewinne ich den Eindruck, dass die angesprochene Schere im Preis-Leistungs-Verhältnis (endlich) angepasst und korrigiert worden ist.

Schalke 04 hätte sich aufgrund der Umsatzerlöse auch weiterhin einen 78-Millionen-Kader leisten können. So, allerdings, lässt sich Heidel Spielraum für weitere Investitionen in Qualität. Die Vertragsverlängerungen mit (zum Beispiel) Leon Goretzka oder Thilo Kehrer stehen an. Dafür braucht der 53-Jährige einen finanziellen Spielraum. Und wenn Schalke 04 eine erfolgreiche Saison spielt, Neuverpflichtungen tätigt, spielen die ja ebenfalls nicht für Nüsse. 

Die Veränderung hält allmählich Einzug hier in Gelsenkirchen. Veränderungen bergen stets auch Risiken, das dürfte klar sein. Aber dies bedeutet nicht gleich, dass es schlechter werden muss. Solch gravierende Reorganisationen waren und sind nötig. Und sie sollten fernab von jeglicher Emotion rational bewertet werden.

Dass sich damit nicht jeder anfreunden kann, liegt natürlich in der Natur der Sache.