Thilo Kehrer. (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
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"Das wird die Saison des Thilo Kehrer"

Das 2:0 vom FC Schalke 04 gegen RB Leipzig war ein sehr guter Auftakt für die Königsblauen. Taktikexperte Karsten Jahn mit seiner Kompakt-Analyse.

Das erste Ligaspiel, nach der ersten Pokalrunde, also das zweite Pflichtspiel unter Domenico Tedesco. Interessanterweise wird bereits das sichtbar, was er lange angekündigt hat. Es gibt eine Grundformation, gleichzeitig soll sich aber stark an den Gegner angepasst werden, ohne dabei jedoch das System zu verändern.

Die Formation ist das 3-4-3. Bereits während der Testspiele gab es dies konsequent zu sehen. Eine 3er-Kette, davor eine Doppel-6 und je einen Flügelspieler. Und vorne 3 sehr bewegliche Offensivakteure. Das Zusammenspiel dieser Mannschaft, und insbesondere die Auswahl des Personals, hängen aber im hohen Maße vom Gegner ab.

Im Pokal gegen BFC Dynamo (2:0) etwa stand die 3er-Kette sehr breit, die Flügelspieler waren immer davor gelagert und ließen sich nur in Ausnahmesituationen nach hinten fallen. Gegen Leipzig war das jetzt etwas komplett anderes. Um sich gegen die geballte Offensivkraft zu schützen, standen die Flügelspieler standardmäßig neben der 3er-Kette. Es war also eine echte 5er-Kette, in der Gegenspieler übergeben wurden, besonders mit Hilfe der Mittelfeldspieler davor. Es wurde auch viel stärker und wirklich ziemlich gut am Raum verteidigt, als noch im Pokalspiel, wo es eine hohe Mannorientierung gab.

Schalker Pressing noch ausbaufähig

Am Grundsystem hat das aber wenig geändert. Tedesco will über ein starkes Pressing den Ball gewinnen und schnell vor das gegnerische Tor kommen. Vertikales Denken nennt er das. Tatsächlich hat man in beiden Pflichtspielen bisher gesehen, wie steil Schalke spielt. Immer wieder gibt es weite Diagonalbälle von hinten auf die gegenüberliegenden Flügelspieler oder Halbstürmer. Auch zentral werden viele Bälle durchgesteckt. So kam Schalke insgesamt zu relativ vielen torgefährlichen Szenen, die allerdings noch nicht alle erfolgreich zu Ende gespielt werden konnten.

Leipzig auf der anderen Seite hat sich stark entwickelt, in ihrer nun schon einjährigen Bundesligatradition. Vom reinen Pressing und Konterfußball sind sie inzwischen eine echte Ballbesitzmannschaft geworden. Das kommt Schalke gelegen, denn Ballbesitz möchte Tedesco (zumindest jetzt noch) gar nicht haben. Gleichzeitig hatte besonders das Mittelfeld sehr zu kämpfen und ließ sich von den Gästen immer wieder hinten reindrücken.

Genutzt hat es nix, das Schalker Pressing ist zwar noch ausbaufähig, aber schon gut genug um den Gegner vom Strafraum fern zu halten und regelmäßig den Ball zu erobern. Die Endverteidigung ist ja auch in den letzten Jahren immer ein Prunkstück gewesen. Und so spielte Schalke sehr diszipliniert hinten und pfeilschnell konternd nach vorne. Die Gäste hatten dem nichts entgegenzusetzen.

Abschließend erlaube ich mir noch einen Blick in die Zukunft: Das wird die Saison des Thilo Kehrer. Nicht nur hält er die Verteidigung komplett im Griff (als rechter Verteidiger auch gern mal mit einer Grätsche an der linken Eckfahne), er baut das Spiel auch sehr intelligent auf. Wenn Höwedes wieder richtig fit ist, sehe ich Kehrer in zentraler Rolle, zwischen Nastasic und Höwedes, das Aufbauspiel gestalten.

Die ausführlichen Analysen der Schalke-Spiele lest Ihr bei Halbfeldflanke, dem Schalker Taktik-Blog!