Amine Harit im Training.
Foto: Torsten Mannek

Das Raunen um Schalkes Amine Harit

Der neue Hoffnungsträger heißt Amine Harit. Schalke 04 verpflichtete ihn vom FC Nantes und zieht sich damit ein aussagekräftiges Talent an Land. In Gelsenkirchen soll er ein Baustein des neuen Schalkes unter Trainer Domenico Tedesco werden. Seine Anlagen erinnern an einen alten Bekannten.

Raunen geht durch den Schalker Anhang auf dem Trainingsgelände an diesem elften Juli. Ballannahme, schnelle Drehung, Vollgas Richtung gegnerisches Tor. Hier eine Körpertäuschung, da ein Dribbling. Nicht wenige erinnern sich da an Leroy Sane. Es ist vor allem der Antritt, der diesen Vergleich durchaus zulässt. Der erste Trainingstag eines jungen Franzosen mit marokkanischen Wurzeln namens Amine Harit aus Pontoise, einer Gemeinde nahe Paris. In der Jugend verschlägt es ihn neben der Station Paris Saint-Germain und einigen kleineren Vereinen der französischen Hauptstadt, 2012 schließlich in die Jugendabteilung des FC Nantes.

Seine Premiere als Fußballprofi feiert er zur Saison 2016/2017 gegen den FCO Dijon. Sein erstes Tor erzielt er gegen den SCO Angers. Den bisher größten Erfolg seiner noch jungen Karriere erlebte er mit der U19 Frankreichs. Er wird Europameister. Zusammen mit dem zukünftigen Superstar Kylian Mbappe vom AS Monaco. Spätestens seit diesem Turnier haben ihn sämtliche Scouts aus Europa auf den Notizblöcken. Nebst einigen Klubs der Premier League hat er es vor allem einem Verein angetan.

Der FC Schalke bemühte sich früh um den Franzosen, scoutete ihn ausgiebig und verpflichtete einen trickreichen, schnellen Spieler mit viel Entwicklungspotenzial. Und das für eine Summe, die in Zeiten utopischer Millionentransfers im Business Fußball noch gering erschien. Laut Medienberichten dürften die Gelsenkirchener irgendwas zwischen acht und zehn Millionen Euro nach Frankreich überwiesen haben.

Von oben gesegnet 

 Auf Schalke will er nun für Furore sorgen: "Ich liebe die Show", sagt Harit gegenüber BILD jüngst angesprochen auf seine Spielweise. Einen kleinen Vorgeschmack liefert er bereits in der Vorbereitung und dem besagten ersten Trainingstag. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Franzosen jedenfalls nicht: "Ich glaube, dass mir Gott dieses Talent geschenkt hat." Dies bringt er unverkennbar mit.

Selbstkritik gehört aber ebenso zu seinen Eigenschaften: "Aber es gibt noch viele Dinge, die ich verbessern muss. Meinen Abschluss und den letzten Pass zum Beispiel. Ich muss immer hart an mir arbeiten, um mich als Spieler weiterzuentwickeln." Der 20-Jährige hat sich für seine neue Station einiges vorgenommen und will seine Bilanz mit einem Tor in 30 Spielen beim FC Nantes nun im königsblauen Dress aufbessern. Angefangen hat er damit im Testspiel bei der China-Reise gegen Besiktas Istanbul. Nach klugem Doppelpass mit Teamkollege McKennie startet er blitzschnell in die Spitze, erhält den Ball zurück und schiebt zum 0:1 ein. Harit lässt seinen Worten also erste Taten folgen.

Verpflichtung Harits fordert Meyer   

Am wohlsten fühlt er sich nach eigenen Angaben auf der Spielmacherposition. Dies dürfte gewaltigen Druck auf den frisch gebackenen U21-Europameister Max Meyer – sofern er bleibt – ausüben und so einen Konkurrenzkampf entfachen. Eines hat er dem Deutschen jedoch voraus. Stichwort Variabilität. Beide Außenpositionen kann der Franzose bekleiden und auch die zentrale Position, wie sie beispielsweise ein Leon Goretzka ausübt, ist ihm nicht fremd. Im Trainingslager in Mittersill wird sich Harit vorrangig mit Meyer messen müssen, obgleich sie sich in der Offensive auch gut ergänzen könnten.

Ein Spieler mit der Qualität Harits, der in der vergangenen Saison zu den meist gefoulten Spielern der Ligue 1 zählte, dürfte die Philosophie Tedescos schneller als erwartet verinnerlichen. "Amine ist ein technisch versierter Spieler, der über ein starkes Tempodribbling verfügt und sich zudem defensiv gut einbringt", äußerte sich Tedesco auf der vereinseigenen Homepage. Zu Gute kommen wird ihm dabei, dass der Trainer mit ihm in der Anfangszeit französisch sprechen wird. Der Franzose passt somit perfekt ins neue Schalker Anforderungsprofil. Jung, schnell, entwicklungsfähig und mit dem Willen zur Defensivarbeit ausgestattet. Im ersten Bundesligaspiel gegen Leipzig könnte Amine Harit zum ersten Mal in der Veltins-Arena auflaufen. Dort kann er seine Show einem größeren Publikum präsentieren.

Das Raunen fällt dann deutlich lauter aus.