Leon Goretzka. (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)
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Bayerns Muskelspiele: Die Posse um Leon Goretzka

Die Bundesligasaison ist beendet und in den nächsten Wochen bestimmt die Transferphase einmal mehr das Geschehen der Vereine. Leon Goretzka wird dabei eine Rolle spielen. Ein Kommentar.

Es ist mal wieder so weit: Der FC Schalke 04 hat nach sechs Jahren wieder einen Spieler in den Reihen, der dem FC Bayern München gefällt. Und wenn der Branchenprimus einen deutschen Nationalspieler als Transferziel ausgemacht hat, bekommen sie ihn in den meisten Fällen. Auch Schalkes Leon Goretzka dürfte nach Manuel Neuer 2011 dem Vernehmen nach bald den Weg an die Isar finden. Die einzige Frage, die sich noch stellt, ist die Frage nach dem Zeitpunkt.

Beim Kampf um einen Qualitätsspieler, der nach Meinung der Verantwortlichen in Bayerns Chefetage den Klub verstärken kann, agiert der Rekordmeister stets mit seiner vollen Kraft und der Prise Gerissenheit, die es im knallharten Fußballbusiness braucht. Diverse Beispiele dazu hat es in der jüngeren Vergangenheit gegeben. Borussia Dortmund hat dies in großem Maße spüren müssen. Mit Mario Götze, Robert Lewandowski und Mats Hummels wurden den Schwarzgelben wichtige Säulen genommen. Der FC Bayern ist nun mal in der Lage, den Ballartisten alles zu geben, was sie sich wünschen. Die Entscheidung obliegt natürlich dem Spieler, der ein Angebot von der Säbener Straße nicht zwangsläufig annehmen muss, es in den meisten Fällen aber tut.

Ping-Pong der Medien

Im Fall Goretzka wird aktuell medial großer Druck ausgeübt. Ein Wechsel in diesem Sommer steht im Raum. Schalkes Sportvorstand Christian Heidel äußerte sich unlängst mit folgenden Worten dazu, wie die WAZ schrieb: "Ich kann mir kein Szenario vorstellen, dass uns Leon in diesem Sommer verlässt." Der Manager will den talentierten Mittelfeldmotor also behalten, auch wenn ein ablösefreier Wechsel im nächsten Jahr die Konsequenz daraus sein könnte.

Kommen wir zurück zum medialen Druck. Beim letzten Heimspiel der Königsblauen verwunderte der Pay-TV-Sender Sky plötzlich mit der großen Meldung, dass Goretzkas Wechsel zum FC Bayern perfekt sei – was die Verantwortlichen des FC Schalke 04 mächtig verärgerte. In der vergangenen Woche wurde derselbe Fernsehsender vorab darüber informiert, dass Goretzkas Berater Jörg Neubauer an die Säbener Straße zum FC Bayern kommt, um zu verhandeln. Am Flughafen in München warteten schon die Sky-Kameras auf Neubauer. Am heutigen Mittwoch veröffentlichte die Sport Bild in ihrer Printausgabe, dass sich Goretzka bereits mit dem FC Bayern einig sei. Die mediale Berichterstattung wird bewusst gesteuert und es liegt der Gedanke nahe, dass der FC Bayern seine Finger im Spiel hat – auch wenn sich das letztendlich nicht beweisen lässt.

Heidels schwere Entscheidung

Der Druck liegt jetzt bei Schalke 04 und verschiedene Fragen kommen auf. Würde Goretzka in der neuen Saison als Noch-Schalker und Bald-Bayer mit freiem Kopf auflaufen können – ohne Hemmungen? Wie reagieren die Fans des FC Schalke 04 auf Goretzka, in dem vermeintlichen Wissen, dass er zum FC Bayern möchte?

Es gab bei Borussia Dortmund den bereits angesprochenen Fall Lewandowski. Der Pole wollte im Sommer 2013 unbedingt zum Rekordmeister wechseln und dessen Berater machten medial mächtig Dampf. Der BVB blieb standhaft und behielt den Torjäger – stockte allerdings sein Gehalt signifikant auf, um ihn bei Laune zu halten. Die Fans reagierten während der noch letzten Saison ihres Knipser besonnen, weil er seinen Job machte und den BVB auf Platz zwei der Bundesligatabelle ballerte.

Ob Schalke 04 in der kommenden Saison sportlichen Erfolg haben wird, ist ungewiss. Nach der schwer vergeigten letzten Spielzeit mag man es den Königsblauen nicht zutrauen. Es ist also für Manager Heidel keine einfache Situation, die Risiken in sich birgt. Der mediale Zirkus verflüchtigt sich ja nicht einfach. Die kommenden Wochen werden weiterhin von dieser Posse um Goretzka geprägt sein. 

Wie der gesamte Klub damit umgehen wird, dürfte interessant werden.